Graue Wölfe

Einst vor noch nicht allzulanger Zeit,
war mir das Glück noch fern und weit.
Das Leben nahm ich viel zu schwer,
es trieb mich kalt und böse vor sich her.

Seine grausamen Fluten rissen mich mit,
ich kämpfte und schlug mich bei jedem Schritt.
Doch kreuzte ein Wolf meine Fährte bald,
verschleppte mich fröhlich in seinen Wald.

Kampflos erlag ich dem verwandten Wesen,
beide waren wir graue Wölfe gewesen.
Gemeinsam jagten wir bei Nacht,
hatten täglich grosse Beute gemacht.

Der Wolf hat seine Wölfin liebend umgarnt,
die Wölfin den Wolf gar ernsthaft gewarnt.
Der Wolf hingegen nicht aufgegeben,
bis seine Geliebte ihm endlich erlegen.

Zusammen hatten wir die Zeit verbracht,
umarmten uns in Liebe sacht.
Glücklich teilten wir so manche Stund,
bis erschien der erste Hund.

Seine Jagd galt Dir, Gefährte,
er setzte sich hechelnd auf Deine Fährte.
Es war die Zeit, die uns gehetzt.
An die Grenze wurdest Du gesetzt.

Musstest das Revier unfreiwillig verlassen,
den Schafen die schmackhaften Wiesen lassen.
Zwei Gefährten hier so boshaft getrennt,
hab mir die Finger beim Feuerspiel versengt.

Zwei Gefährten rennen nun einsam und allein,
heulen traurig und voller Pein.
Ich vergass Dich nie, mein bester Freund,
warst meiner Seele grösste Freud.

Hast mir so manches beigebracht,
ich fühle in mir des Lebens Kraft.
Das Leben ist nun leichter und voller Mut,
mit Dir zu rennen, Wolf, war gut.

Ausländerwolf, Dir verfallen in Lieb,
sie ist das einzige, das mir blieb.
Wolf, nur noch einmal zu gemeinsamen Hatz,
das Leben mit Dir mein teuerster Schatz.

© Pascale Eigensatz
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