Normenkäfig
 

Oh Wolf, Du übermächtig Wesen,
hast viele Jahre im Käfig verbracht,
als unterwürfig Hund wurdest du verlacht,
deine Natur mir gänzlich unbekannt gewesen.

Dann endlich hast die frische Luft gerochen,
hast deine starken Fesseln kraftvoll gesprengt,
bist aus dem hässlichen Kerker ausgebrochen,
der Gesellschaft Normen haben dich bedrängt!

Hast dich über sie hinweggesetzt,
hast der Gesellschaft strenge Gesetze verletzt,
hast frei gejagt und ohne Zwang,
hast das Wild gehetzt mit offenem Fang.

Hast aus purer Lust dein Opfer gejagt,
aus Freud mit dem Wind um die Wette gerannt,
hast den Hunger nach Risiko bald gekannt,
zu töten du dann nach langem Zögern gewagt.

Doch die Hunde sind schon hinter dir,
die Gesellschaft sie dir auf die Fährte gesetzt,
hatten Angst vor dem unbeugsamen Tier,
die Hunde dich gnadenlos gehetzt.

Gar reumütig bist du zurückgekehrt,
das ungebundne, freie Leben dir nun verwehrt,
und wenn dein Aug in die Ferne schweift,
ein wehmütig Sehnen dich ergreift.

Den Normenkäfig du dir selbst auferlegt,
hältst dich selbst darin gefangen!
Um absolute Freiheit zu erlangen,
ein Gedankengut zu ändern, sei bestrebt!

 
© Pascale Eigensatz
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