Die Reise ins Innere

Dunkelheit umfängt mich sacht
es ist tiefe schwarze Nacht
kein Stern steht am Himmelszelt
kein Mond der die Erd erhellt

Mein Pferd läuft mit ruhigem Schritt
sicher findend jeden Tritt
ein Kauz sich niederlässt auf einem Baum
es ist alles wie ein Traum

In der Ferne ein kleines Licht
"Kann ich Dir folgen, verwirrst Du mich nicht?"
mehr und mehr werden der Lichter
ich erkenne kleine Gesichter

sie lächeln mir zu und flüstern leis
"Wir begleiten Dich auf Deiner Reis'.
Irrlichter werden wir genannt
zu verführen und verleiten sind wir bekannt.

Doch vertraust Du auf unser Geleit
sind wir auch zu Gutem bereit."
In meiner Verzweiflung folge ich den Lichtern
mit ihren engelsgleichen Gesichtern

Mein Pferd läuft ihnen blind vertrauend
ich sitze auf die Ehrlichkeit bauend
und werde wie versprochen geführt
von vielen kleinen Händen berührt

Sie führen mich tief in die Nacht
nur von dem kleinen Zug bewacht
an einen mir unbekannten Ort
vom Vertrauten ganz weit fort

Um mich herum wird alles Licht
die Sonne sich im Morgentau bricht
überall die bunten Vögel singen
überall viele zärtliche Stimmen erklingen

Mein Pferd - ich erkenne das lichtene Horn
verblasst ist alter Schmerz und Zorn
die Elfen tanzen im Sonnenschein
alles erscheint geläutert und rein

Verwundert schaue ich in das Treiben
würde hier gerne für immer bleiben
die Irrlichter sie nehmen meine Hände
"Dein Gesicht, oh Mensch, es spricht Bände

Wo Du bist, das fragst Du Dich?
Schaue her, erkennst Du's nicht?"
"Was soll ich sehen, Ihr kleinen Wesen,
ein Traum scheint Wirklichkeit gewesen."

"Nein, mein Freund, das ist kein Traum
und es ist schon gar nicht Schaum.
Du bist in Deinem Inneren angelangt,
darum hast Du doch so sehr gebangt."

Verwundert blicke ich in den Schein:
"Ist das möglich? Kann das Sein?
Sieht es so in meinem Inneren aus,
so viel Liebe wie im Elternhaus?"

"Das bist Du und allein nur Du,
leg Dich nieder, komm zur Ruh!"
Also leg ich mich unter den Baum
und wache auf aus meinem Traum

Mein Pferd ganz ruhig neben mir steht
und ein paar Schritte vorwärts geht
ein Traum war's also und nichts mehr
enttäuscht ja das bin ich nun sehr

Doch dann kann ich es erkennen
ein schemenhaftes Horn zu benennen
und mir wird schlagartig eines klar
es war kein Traum, es ist wahr

In mein Inneres bin ich gereist
mein Hoffen dazu fand ich dreist
doch bin ich endlich nach Hause gekommen
sind mir die ganzen Aengste genommen.

© Pascale Eigensatz

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