vielen Dank, Aqua... für das schöne Bild... ich finde es passt super... :-)

Die Schwalbe und der Prinz

An einem Frühlingsmorgen ward eine Schwalb geboren
zur gleichen Zeit jedoch ein Prinz vom Tode auserkoren
ein Prinz mit grossem Herzen nur 14-Jahre alt
ein Prinz mit schwachem Körper und feiner Gestalt

Sehr traurig waren der König und auch seine Braut
so wurde für den Prinzen ein grosses Denkmal erbaut
aufgestellt wurde es mitten auf einem schönen Platz
damit in Erinnerung bleibe ihr allergrösster Schatz

Dem Jungen wurden zwei Saphire als Augen eingesetzt
sein Mund wurde ganz herrlich von einem Rubin besetzt
sein Körper jedoch wurde von Gold ganz überzogen
alle freuten sich, denn ein jeder war ihm gut gewogen

Als der heisse Sommer sich so langsam dem Ende neigte
und der Herbst sich mit all seinen frohen Farben zeigte
machten sich die fröhlichen Schwalben langsam bereit
einen Weg zu fliegen unter grossen Gefahren sehr weit

Die kleine Schwalbe noch einmal über dem Platz kreiste
ehe sie dann endgültig für den Winter verreiste
doch plötzlich hielt sie in ihrem tollkühnen Fluge inne
hörte sie unter sich eine schwache aber bestimmte Stimme

"Schwälbchen, ich bitte Dich noch ein wenig zu bleiben,
um mit mir die grosse Armut hier zu vertreiben."
"Was soll ich tun? Helfen werde ich Dir gerne,
selbst wenn es nun zieht mich in die warme Ferne."

Dem Prinzen kullerte eine Träne aus den Augen:
"Als erstes sollst Du mich des Augenlichts berauben.
Auch mein Mund ist ein wertvoller Edelstein,
diese drei Gemme sollen für die Aermsten sein."

Nach so langer Zeit wusste der Junge sehr gut
wo sich verbarg die schwerste und ärgste Armut
die Schwalbe hielt das dem Prinzen gegebene Wort
und trug die Edelsteine einer nach dem anderen fort

Die Geschenke zauberten ein Lächeln auf das Gesicht
doch leider sah dies der versteinerte Junge nicht
die Schwalbe erzählt stolz von dem Geschehen
und wollte dann endlich in den Süden gehen

"Liebe Schwalbe, noch einmal bitte ich Dich,
flieg noch einmal aus für mich!
Kannst Du mir Deine Flügel leihen
und mir meine Dreistigkeit verzeihen?"

Die Schwalbe nickte und zwitscherte sodann:
"Gibt es denn noch etwas, das ich verschenken kann?"
"Mit Gold überzogen wurde mein kleiner Leib,
verteil dies, bitte, damit nur noch Eisen übrigbleib."

So begann die Schwalbe ohne weiter zu verweilen
Streifen für Streifen das Gold an die Armen zu verteilen
die Menschen wurden immer ein Stückchen weniger arm
und die kalten Tage für sie ein bisschen mehr warm

Unmerklich war der freundliche Herbst gewichen
und der grimmige Winter hatte sich eingeschlichen
ein letztes Mal händigte die Schwalbe einen Fetzen aus
und musste sich enkträftet niederlassen vor einem Haus

Weitertragen konnten sie die Flügel nicht mehr
auch das Atmen fiel ihr reichlich schwer
zu spät das kleine Mädchen die Schwalbe fand
der Tod hielt sie schon in seiner warmen Hand

Der Prinz nun nicht mehr wunderschön verziert
ohne Edelsteine, nicht mehr mit Gold beschmiert
wusste, es würde nicht mehr lange gehn
dann würde er nicht mehr auf dem Sockel stehn

Bald schon wurde er in die Schmelze gebracht
aus seinem Körper wurde ein Klumpen Eisen gemacht
doch ein Arbeiter spürte leise einen Schmerz
und formte aus einem kleinen Stück ein Herz

Dann riss ein Windstoss das Herz mit sich fort
und trug des zu des kleinen Vogels Sterbeort
das Herz die Schwalbe nun endlich gefunden
haben die beiden sich für immer verbunden

Herzlein und Vöglein beide um ihr Leben betrogen
wurden von einem Lichtstrahl in den Himmel gezogen
für das Wohl der Menschen haben sie alles gegeben
nur von kurzer Dauer war der beiden ausgefülltes Leben

© Pascale Eigensatz

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