Zwiegespräch mit dem Sensenmann

Als ich trabte über einen Steg
kreuzte ich unverhofft seinen Weg
"Wer bist Du, ich kenne Dich nicht?"
Er sodann zu mir spricht:

"Ich bin der altbekannte Sensenmann
vorbei komme ich dann und wann
immer zwischen Euch ich wandel
aber niemals mit Euch handel

Ich beschneide der Menschen Leben
wurde es ihnen nur leihweis' gegeben."
Ich frage: "Und das Dir gefällt?
gibt es nichts andres, das Dein Dasein erhellt?"

"Mädchen, Dein Urteil macht mich traurig
wieso ist der Tod für Dich so schaurig
manchmal kann ich erlösend sein
manch gepeinigte Seel befrein

Meine Arbeit, die mach ich gut
gebe manch Leidendem wieder Mut."
"Aber auch die Jungen aus dem Leben reisst
weisst Du denn nicht, was das heisst?"

"Doch, es sind die Angehörigen, die leiden
wenn ich muss blühend Leben beschneiden
aber der Tod ist ein Anfang, kein Ende
er bedeutet für die Seelen eine Wende

Nicht mehr gefangen im Körper und frei
nicht mehr Schwerkraft spüren wie Blei
tun und lassen, was man gerade will
nicht mehr erleiden der Welten Unbill!"

Der Tod, er lächtelt mir ins Gesicht:
"Mädchen, bitte fürchte Dich nicht!"
Dann führt er mich mit sich fort
in ein neues Leben, an einen anderen Ort.

© Pascale Eigensatz

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