Verpasstes Glück

Zwei Fremde reisen im selben Zug
drei Stunden verbracht am selben Platz
die Zeit vergeht nicht wie im Flug
kaum mehr gesprochen als einen Satz

Verstohlene Blicke werfen sie sich zu
scheue Lächeln werden ausgetauscht
verkrampftes Lesen ohne Kommen zur Ruh
beide fühlen sich wie mit Drogen berauscht

Dann kommt der Zug kreischend zum Stehn
ohne sich des näheren zu kennen
werden sich ihre Wege jetzt trennen
wird man sich jemals wiedersehn?

*************************

Doch das dumpfe Gefühl es bleibt
man habe nicht richtig aufgepasst
man habe die Chance knapp verpasst
die das Leben für einen schreibt

Doch das GLück ist einem treu
am nächsten Tag trifft man sich neu
ein freundlich Hallo, sie reicht ihm die Hand
um zu knüpfen ein erstes Freundschaftsband

Ein kurzer Schwatz, eine nette Plauderei
dann der Aufruf und es ist vorbei
in entgegengesetzte Richtungen sie gehn
ein Tschüss und kein auf Wiedersehn

*************************

Doch das dumpfe Gefühl es bleibt
man habe nicht genug getan
man habe eine grosse Chance vertan
dies einen in den Wahnsinn treibt

Mir war als hätte ich Dich längst gekannt
als wäre ich endlich heimgekommen
als hätten Deine Augen mich aufgenommen
nur Dein Name bleibt mir unbekannt

Noch ein paar Tage werde ich an Dich denken
Dir ein paar meiner wirren Gedanken schenken
doch nach und nach die Erinnerung verblasst
habe ich wirklich die Chance des Lebens verpasst?

© Pascale Eigensatz

Der kleine Bus(c)h, der gross werden wollte Hauptseite Gedichte Die Schwalbe und der Prinz